LSA 2.0 REFORMATION ALS PROZESS

In den kommenden Jahren stehen dem Land Sachsen-Anhalt Jubiläumsereignisse mit weltweiter Aufmerksamkeit bevor. Das Projekt LSA 2.0 REFORMATION ALS PROZESS möchte diese Impulse für eine nachhaltige Landesentwicklung nutzbar machen.

Kurzvortrag zum Jour Fixe WelterbeRegion Luther2017 von Olaf Böhlk am 24.09.2015

Drei Jubiläumsereignisse mit Bezug auf drei UNESCO-Weltkultur­erbestätten werden in den Jahren 2017 und 2019 das Bundesland Sachsen-Anhalt in den Fokus der Weltöffentlichkeit rücken.

Diese Aufmerksamkeit und die daraus erwachsende Möglichkeit zur Gestaltung vielfältiger Interaktionsprozesse sollten als Impuls für Innovationen und die Landesentwicklung im Land Sachsen-Anhalt genutzt werden.

Die bevorstehenden Jubiläen berühren mit Inhalten wie „wiederherstellende Erneuerung als Prinzip“ (Reformation2017), „Sachsen: Mythos und Perspektive“ (1100 Jahre Königserhebung Heinrich I. 2019) und „Land der Moderne“ (Bauhaus2019) für unser Bundesland hochaktuelle Themenkomplexe mit konkreter Relevanz auch für seine zukünftige Entwicklung.

Die kleinteilige und engmaschige polyzentrische Raumstruktur Sachsen-Anhalts bildet bereits seit Jahrhunderten als organisches Netzwerk die Basis für die Herausbildung einer Transfer- und Innovationsregion, in die die Weltkulturerbestätten als Belege für das Ausstrahlungspotenzial der Landschaft an Harz, Elbe und Saale eingebettet sind.

Die drei Jubiläumsereignisse könnten nun als Projektionsflächen für die großen gesellschaftlichen Herausforderungen genutzt werden, zu denen beispielsweise die Chancen und Risiken der sich steigernden internationalen Migration bei gleichzeitig fortschreitendem demografischen Wandel, der Umbau zu einer digitalen Gesellschaft oder die zukünftige Gestaltung demokratischer Prozesse in der Bürgerschaft gehören.

Ein neuartiger Blick auf die historische Entwicklung des Landes Sachsen-Anhalt erschließt seinen sächsisch-anhaltischen Kulturraum als Inspirationsquelle für Innovationen und gesellschaftliche Diskussionsprozesse. Ein auf diese Basis aufsetzender „region building“-Prozess würde es in einzigartiger Weise ermöglichen, das weltweite Bild einer als Bundesland ausgeprägten Kulturregion mit einzigartigen historischen Traditionen in einem fließenden Prozess unter dem Motto: „LSA 2.0 REFORMATION ALS PROZESS“ zeitgemäß zu gestalten.

LSA 2.0 Vision für ein regional integriertes Land Sachsen-Anhalt

In den vergangenen 25 Jahren seiner Existenz wurde das Bundesland Sachsen-Anhalt territorial konstituiert, infrastrukturell eingerichtet und verwaltungstechnisch institutionalisiert. Aufgrund der Tatsache, dass bei der Schaffung des Landes sowohl 1990 als auch nach 1945 die Bewältigung dringender funktionaler Aufgaben im Vordergrund standen, kam es bisher in Sachsen-Anhalt nicht zur Herausbildung eines schlüssigen Konzeptes für eine „mental map“, welche die Region des Bundeslandes als Ganzes in der gesellschaftlichen Wahrnehmung seiner Bewohner und Gäste abbilden kann.

Neben dem herrschenden Zeitmangel und den drängenden Aufgaben in den Umbruchzeiten nach 1945 und 1990 wurde ein umfassender Regionalisierungsprozess für Sachsen-Anhalt auch aufgrund der Tatsache verhindert, dass eine wichtige Grundlage, ein „auf die Vergangenheit bezogenes Narrativ“, welches „ein wesentliches Grundelement der Schaffung von sozialen Gemeinschaften“
bilden kann, für unser Bundesland nicht zur Verfügung stand.

Mit der Erzählung vom „Bernburger Erbfall“, der Stiftung der beiden askanischen Länder Sachsen und Anhalt im Jahr 1212 und der 1946 erfolgten Vereinigung ihrer Nachfolgeterritorien zum Bundesland Sachsen-Anhalt steht ein solches Narrativ nun zur Verfügung.

Schloss Bernburg, der bedeutendste askanische Erinnerungsort und gemeinsame räumliche Ausgangspunkt der Entwicklung der askanischen Länder Sachsen und Anhalt, bildet dabei aufgrund seiner heraldischen Beziehungen zum Hoheitszeichen und dem Landesnamen des Bundeslandes Sachsen-Anhalt einen einzigartigen Schauplatz der Landesgeschichte und einen erlebbaren symbolischen Zugang zur 800-jährigen Tradition der für Sachsen-Anhalt konstituierend wirkenden Vorgängerterritorien.

Aufgrund dieser neuen historischen Wahrnehmung kann nun für das Bundesland an Harz, Elbe und Saale der ausstehende „region-building“-Prozess auf einer eigenständigen kulturellen Basis nachgeholt werden.

Obwohl es sich bei der durch das Bundesland Sachsen-Anhalt gefassten Region um eine der an historischen Ereignissen und kulturellen Zeugnissen reichsten Landschaften Europas handelt, erfolgte nicht bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine regionale Vorprägung im Geiste nationalideologischer Konstrukte. Diese Tatsache ermöglicht es, den Regionalisierungsprozess für Sachsen-Anhalt nun vor dem Hintergrund des europäischen Gedankens unter Einbeziehung zeitgemäßer Lösungsansätze für die Herausforderungen der modernen demokratischen Bürgergesellschaft und im Rahmen eines deutschen Bundesstaates völlig neu zu konzipieren.

Die drei weltweit beachteten Jubiläumsereignisse der Jahre 2017 und 2019 könnten somit den Auftakt für den anstehenden „region-building“-Prozess bilden. Sie würden so als Katalysatoren in dem Prozess genutzt.

Die Herausforderung beim angestrebten regionalen „Reformations-Prozess“ für Sachsen-Anhalt liegt in der Erschließung der in der sächsisch-anhaltischen Kulturlandschaft verborgenen kulturellen Ressourcen als Inspirationsquelle für die zukünftige Entwicklung des Bundeslandes.

Auf der Basis der bestehenden Verwaltungs- und Infrastruktur könnte in einer Gemeinschaftsaufgabe aller Einwohner ein Sachsen-Anhalt 2.0 als selbstbewusstes, regional und kulturell integriertes Bundesland geschaffen werden.

LSA 2.0
REFORMATION ALS PROZESS

LSA-2.0-Reformation-als-Prozess-Cover

… möchte das Sinnstiftungspotenzial historischer Ereignisse nutzen, um Sachsen-Anhalts Zukunft aktiv zu gestalten und kulturelle, gesellschaftliche und wissenschaftliche Innovationsprozesse anzuregen.

Dabei wird „REFORMATION“ nicht als ein einmaliges, in der Vergangenheit liegendes und nur auf den abgegrenzten Bereich der Religion bezogenes Ereignis, sondern als kontinuierlicher Prozess der Transformation historischer Ressourcen in zukunftsfähige Strukturen verstanden.

Informationen

Bernburger Thesen:
Der Bernburger Erbfall

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Der „Bernburger Erbfall“ und die Folgen für eine sächsisch-anhaltische Landesgeschichte:

Broschüre „Sachsen-Anhalt neu denken“

…online lesen auf issuu.com unter der Adresse:

Broschüre als PDF:

Das Herzogtum Sachsen und der Wiener Kongress

Herzogtum-Sachsen-beim-Wiener-Kongress-Onlinefassung-v1

Artikel als PDF: